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Allergiker - Herzlich Willkommen bei Allgäu Top Hotels

Autorin: Silke Lorenz

 

Essen ohne lange zu überlegen oder schlafen ohne ständig zu niesen: Für Allergiker oder für Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist das alles nicht selbstverständlich.
Ich selbst bin zwar, zum Glück, nicht betroffen. Aber etliche meiner Freunde und Bekannten können nicht eben mal ein Hotel buchen, ohne vorher bestimmte Kriterien abzuchecken. Für sie bietet sich das Allgäu allein durch seine Höhenlage als Urlaubsregion perfekt an: Pollen, Milben und Schimmelpilze findet man in diesem reizarmen Klima kaum mehr, dafür aber heilklimatische Luftkurorte. Und immer mehr Betriebe, die ganz besonders auf Allergiker eingestellt sind. Wie zum Beispiel die vier Häuser der AllgäuTopHotels, die ich kürzlich besucht habe.

Mein Weg führt zuerst nach Oberstdorf. Die Kommune ist nämlich seit 2015 allergikerfreundlich. Was das heißt? Von Restaurants, Lebensmittelmärkten und Bäckereien bis Hotels und Ferienwohnungen sind hier viele Betriebe vom Bayerischen Heilbäder-Verband e.V. geschult und von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) als allergikerfreundlich zertifiziert, wie eben auch das Schüle`s Gesundheitsresort & Spa.

Ein Blick in die Hotel-Lobby: Vereinzelt gibt es Grünpflanzen. Und einen Blumenstrauß an der Rezeption, aber nichts, was Allergikern Probleme bereiten könnte. Haustiere dürfen hier nicht Urlaub machen – zur Freude von Tierhaar-Allergikern.
Ein Blick ins Zimmer: Dort liegt, wie im ganzen Haus, niederfloriger Teppich, der täglich gesaugt wird. Der Staubsauger mit Hepa-13-Filter sorgt dafür, dass der Staub auch wirklich eingesaugt bleibt. Milbendichte Schutzhüllen, so genannte Encasings, für Matratze und Bettzeug werden auf Wunsch übergezogen, zusätzlich zur Allergiker-Bettwäsche. 

Foto: Schüle`s Gesundheitsresort - Der niederflorige Teppich wird täglich gründlich gesaugt, und zwar mit einem speziellen Staubsauger.

 

Ein kurzes Gespräch mit dem Küchenchef: „ Am schwarzen Brett hängen alle Infos zu den Sonderdiäten jeden Gastes. Er sucht sich sein Gericht aus, wir bauen es seiner Allergie oder Unverträglichkeit entsprechend um. Nudeln werden durch glutenfreie ersetzt, der Fisch wird nicht mehliert, Hafer- statt Kuhmilch verwendet. Nüsse, Sellerie oder Ei, was oft Probleme macht, wird weggelassen. Fünferlei Getreide und sechserlei Milch haben wir eh im Haus. Manchmal müssen wir ganz schön kreativ sein und Rezepte erfinden. Aber wir machen nahezu alles möglich“, erklärt Andreas Sonntag und rührt in seinem Gemüsefonds, den er gerade frisch zubereitet.

 

Foto: Schüle`s Gesundheitsresort - Welche Kräuter kann welcher Gast essen? Küchenchef Andreas Sonntag kennt sich genau aus.
Foto: Silke Lorenz - Das „Schüle`s Gesundheitsreform & Spa" hat 2017 zum zweiten Mal das ECARF-Siegel erhalten.


Ich lasse Andreas Sonntag weiter in seiner Küche werkeln und genieße ein paar Schritte an der frischen Luft. Das tut den Bronchien gut, ich atme tief ein – schließlich ist Oberstdorf auch heilklimatischer Kurort.

Ich laufe weiter zum Hotel Filser, das gleich ums Eck liegt und ebenfalls als allergikerfreundlicher Betrieb mit dem ECARF-Siegel zertifiziert ist. Hier sind zehn Zimmer und zwei Ferienwohnungen speziell für Allergiker eingerichtet.

Foto: Hotel Filser - Der Boden ist gut wischbar, Staub hat kaum eine Chance.

 

„Manche wollen Holzboden, weil der gut zu reinigen ist. Andere wollen Teppich, weil sie finden, dass der Staub dort besser gebunden wird, obwohl alles täglich gesaugt wird. Die Wünsche sind sehr verschieden. Schutzbezüge für Matratzen und Bettwäsche sind selbstverständlich“, erzählt Hotelinhaber Michael Thanner. Die Gäste geben am besten schon bei der Buchung an, unter welcher Unverträglichkeit sie leiden. Dann kann sich das Hotel darauf einstellen. Alle Mitarbeiter sind geschult und für das Thema Allergien sensibilisiert.

In der Küche beispielsweise wird für jede Speise ein andersfarbiges Schneidebrett verwendet.

Foto: Hotel Filser - Küchenchef Thomas Stooß kümmert sich um alle Wünsche.
Foto: Hotel Filser - Leckeres Dessert: Man sieht einem Gericht nicht an, ob es laktose- oder glutenfrei ist.

 

Die Lebensmittel werden in getrennten Kühlräumen gelagert. Im Restaurant steht außerdem ein dicker Ordner griffbereit neben den Speisekarten. Hier kann sich jeder informieren, welche Inhaltsstoffe welches Gericht des wechselnden Menü-Planes enthält. Sehr aufschlussreich, wie ich beim Durchblättern feststelle.
„Muss ein Gast zum Beispiel glutenfrei essen, bekommt er sein Müsli direkt von der Küche an den Tisch. Glutenfreies Brot wird in der Folie gebacken und serviert. Bei uns muss sich keiner seine Speisen von zu Hause mitbringen“, sagt Michael Thanner.

 
Von Oberstdorf fahre ich nach Oberstaufen, ebenfalls heilklimatischer Luftkurort und das Zentrum der Schroth-Kur. Gesunde Kost ist hier seit jeher ein großes Thema.
Auch die „Rosenalp“, wo ich soeben eintreffe, punktet damit. Bereits mit der Buchung wird die Info intern an alle Abteilungen weitergegeben: Die Küche weiß also vorab Bescheid, wenn ein Gast mit einer Unverträglichkeit anreist, und kann sich darauf vorbereiten. Küchenchef Helmut Beng und sein Team sowie das Service-Personal sind in jeder Hinsicht geschult – bietet die Rosenalp“ von Haus aus schon verschiedenste Ernährungsformen und Diäten an.

Foto: Rosenalp - Leichte Kost, gluten- oder laktosefrei: Die Küche stellt sich auf jeden Gast ein.

 

Das Basenfasten beispielsweise ist bereits vegan und deshalb laktosefrei. Und so sind auch andere Lebensmittelallergien und -intoleranzen kein Problem für die Küche. „Ob gluten- oder laktoseunverträglich, jeder bekommt sein eigenes Menü. Wir gehen sehr auf unsere Gäste ein“, sagt Beng.
Täglich gibt es zum Menü eine Zutatenliste, die man zusammen mit der Speisekarte studieren kann. Auf dem Blatt, das ich gerade in den Händen halte, sind an die 30 Stoffe aufgelistet, die Allergikern Probleme machen könnten. Wer seine individuellen Unverträglichkeiten gerne persönlich abklärt, hat die Möglichkeit für ein Gespräch mit Helmut Beng. Der diätische geschulte Koch trifft sich sowieso jeden Montagabend im „Rosenstüble“ mit interessierten Gästen und beantwortet Fragen rund um die Ernährung. Ein immer wiederkehrendes Thema in dieser Runde: Wie mache ich zu Hause weiter, nach meiner Kur?

 

Foto: Rosenalp - Willkommen am Frühstücksbuffet ! Glutenfreies Brot wird jedoch extra am Tisch serviert. So vermeidet man Verwechslungen.

 

Vorträge der hauseigenen Ernährungsberaterin runden das Angebot ab. Auch Hausstaub-Allergiker fühlen sich in der Rosenalp sehr gut aufgehoben, wie mir ein Blick in die Zimmer zeigt: Die meisten haben Holzfußboden, wenige sind gefliest. Jede Staubflocke kann gründlich weggewischt werden. Allergikerfreundliche Bettwäsche und Encasings gibt es auf Anfrage – an alles ist gedacht.

 

Foto: Rosenalp - Ideal für Milbenallergiker: Fast alle Zimmer haben Holzboden, der gut zu wischen ist.

 

Tags darauf fahre ich noch weiter hinauf nach Oberjoch, dem höchsten Bergdorf Deutschlands. Allein die Lage auf 1200 Metern ist schon ein Geschenk für Allergiker. Pollen fliegen hier kaum mehr herum, die Luft ist extrem arm an Feinstaub, Milben und Schimmelpilzen. So ist es auch kein Wunder, dass die Gemeinde Bad Hindelang mit seinen Ortsteilen Ober- und Unterjoch als allergikerfreundliche Kommune ausgezeichnet ist.

 

Foto Silke Lorenz - Keine Pollen, keine Milben: Allein die Lage ist ein Gedicht für Allergiker und Asthmatiker.

 

Auch das Panoramahotel Oberjoch hat die Kriterien für das ECARF-Siegel erfüllt. Geschäftsführerin Julia Lerch zeigt mir bei meinem Besuch sogleich die Urkunde.

Foto: Silke Lorenz - Geschäftsführerin Julia Lerch zeigt stolz das ECARF-Siegel.

 

Encasings für die Matratzen gehören in jedem Zimmer zum Standard, Allergiker-Bettzeug auch. Daunenbetten erhält der Gast auf Wunsch. Grünpflanzen gibt es nur in ausgewählten Zimmern, auch Rauchen ist verboten. Hunde dürfen zwar mit ins Hotel, aber nur in spezielle „Hunde“-Zimmer.

 

Foto: Panoramahotel Oberjoch - Ob Parkett oder Teppich, das „Panorama-Hotel“ bietet beide Zimmer an.
Foto: Panoramahotel Oberjoch - Frischer Salat: Jeder Gast mit einer Unverträglichkeit erhält sein eigenes Menü.

 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden automatisch bei der Buchung, spätestens beim Check-in abgefragt. „Für uns ist das so alltäglich, dass unsere Mitarbeiter das nicht als anstrengend oder als Ausnahme empfinden“, meint Julia Lerch. Das 5-Gänge-Menü wird dementsprechend umgebaut. Die Menü-Karte hat dann eine andere Farbe, so dass Küche und Service-Personal sofort Bescheid wissen. Hat ein Gast eine lange Liste mit Unverträglichkeiten, wird dies im persönlichen Gespräch mit dem Küchenchef abgeklärt.

Zum Schluss schauen wir noch kurz beim Frühstücksbuffet vorbei, das an diesem Dienstagmorgen in vollem Gange ist: Ein Schild mit „Glutenfrei“ steht in der einen Ecke, glutenfreies Früchtemüsli liegt hier abgepackt bereit.  Auf der anderen Seiten findet man laktosefreie Varianten zu Milch und Jogurt.

„Wir gehen auf jeden Gast individuell ein“, betont die sympathische Geschäftsführerin.

 

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