Coolcation, also die Zusammensetzung aus den englischen Wörtern „cool“ (kühl) und „vacation“ (Urlaub), ist gerade in aller Munde. Kein Wunder: Angesichts des besonders heißen Sommers, der von Temperaturrekord zu Temperaturrekord eilt, verbringen immer mehr Leute ihre freie Zeit bevorzugt am Wasser, in Wäldern, gerne auch in etwas erhöhter Lage, weil es in den oberen Etagen ja meist ein paar Grad weniger hat. So betrachtet ist das Allgäu eine ideale Coolcation-Destination – und diese beiden Häuser ganz besonders.

Ich liebe den Sommer. Aber wenn das Thermometer tage-, gar wochenlang über die 30-Grad-Marke klettert, darf es bei mir gerne mal kühler sein. Deshalb bin ich – wie viele andere auch – gerade ziemlich empfänglich für das Konzept „Coolcation“. Also urlauben, wo die Luft frisch, das Wasser nah und die Nächte kühl(er) sind.
Im Allgäu funktioniert das ja generell ziemlich gut, im Wellnesshotel Prinz-Luitpold-Bad in Bad Hindelang jedoch besonders. Schon die Alleinlage im Grünen des traditionsreichen Vier-Sterne-Hauses! Statt flirrender Hitze auf dem Stadtasphalt gibt es hier Kühe auf der Weide, schattenspendende Bäume vor dem Fenster und wilde Hasen, die hier offenbar ebenfalls Urlaub machen. Die Lage direkt an den Bergen hat im Hochsommer einen weiteren Vorteil: Nachts sorgen kühle Fallwinde dafür, dass die Temperaturen häufig auf angenehme 15 Grad sinken. Von wegen Tropennacht!
Auch tagsüber muss man das Areal für eine Abkühlung nicht verlassen. Dank der weitläufigen Gartenanlage samt Infinity-Pool, Natur-Kneippbecken und einem von hauseigenen Quellen gespeisten Naturteich, durch den man hindurchwaten kann. Nicht zu vergessen: der Eisbrunnen im Spa. Besonders charmant finde ich die Wald-Daybeds: Plattformen im natürlichen Schatten, auf denen man sich herrlich „weglesen“ kann.
Überhaupt ist Platz hier ein echtes Plus. Ob im Biergarten, der hier „Ahorngarten“ heißt, im Loungebereich des Gartens, auf der Wiese oder vor der Feuerschale: Lieblingsplätzchen finden sich überall. Selbst wenn das Haus ausgebucht ist, sitzt man nicht aufeinander. Und wer absolute Me-Time braucht, bitte! Die südseitigen Balkone haben nicht nur Liegen und Stühle, sondern auch einen 1a-Blick in die Allgäuer Bergwelt.
In die geht es bei Bedarf auch gern zu Fuß, und zwar direkt vom Hotel aus. Etwa zum Wildbachtobel, an die nahe Ostrach oder – mit etwas mehr Kondition – zum Hindelanger Schrecksee. Jeden Freitag bietet Gastgeber Armin Gross zudem Touren an, bei denen Waldschatten plus Höhe für die entscheidenden paar Grad weniger sorgen. Ein weiterer Coolcation-Trick: früh starten!
Um in den „grünen Bereich“ zu gelangen, muss man aber nicht weg. Die Hotelräume, ebenso wie der neue Restaurantbereich und das Spa-Café, die im Zuge der aktuellen Renovierung mit bodentiefen Fenstern und einer Klimaanlage versehen wurden, holen die Natur förmlich ins Haus. Für Armins Ehefrau Sabine ist das Spa-Café ohnehin ein Meilenstein. „Endlich können sich unsere Gäste im Bademantel mit Kaffee-Spezialitäten und einem Nachmittags-Snack versorgen, ersteres schon ab 6:30 Uhr.“ Später am Tag geht das auch auf der neugestalteten Gartenterrasse, die nun noch stärker ins Blickfeld rückt, was das 1864 gegründete Haus seit jeher ausmacht: die spektakuläre Lage vor dem Bergpanorama.
So präsent die (Prinzregenten-)Geschichte im Haus mitunter ist, die Moderne ist es auch. Stichwort Nachhaltigkeit. So wurden in jüngster Zeit zwei Drittel der Balkone mit integrierter Photovoltaik ausgestattet, der Rest folgt 2027. Gut zu wissen: Seit 2022 ist das Hotel Biosphere-zertifiziert, seit 2021 gehört es zum Bündnis Klimaneutrales Allgäu 2030. „Wir wollen das Beste der Vergangenheit nachhaltig weiterentwickeln. “, sagt Armin Gross. Das trifft es recht gut: Das Haus entwickelt sich weiter, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
Was mir besonders gefällt, ist die Idee, dass Urlaub hier nicht nur aus Wellness, Wandern und wunderbarer Kulinarik besteht. „Wer will, macht Sachen zusammen!“, findet Familie Gross und bietet dazu weit mehr Anregungen als den XXL-Spieleschrank. So wird sonntags der Braten regelrecht zelebriert, übrigens auch in vegetarischer Variante. Montags wird gesungen, Armin Gross holt dazu seine Ukulele heraus. An zwei anderen Terminen in der Woche gibt er – seines Zeichens zertifizierter Yogalehrer - Yoga. Das alles wirkt nahbar und angenehm ungekünstelt. Und auch das ist irgendwie erfrischend.

Steigt man in Oberjoch aus dem Auto oder dem Bus, bemerkt man sofort diese besondere Sommerluft. Sie ist einfach klarer, frischer, irgendwie leichter, was wohl dem geschuldet ist, dass Deutschlands höchstgelegenes Bergdorf auf rund 1.200 Meter Höhe liegt – und damit weit oben auf der Coolcation-Liste. Während anderswo bereits am Vormittag die Hitze steht, geht hier noch ein kühler Wind durch die Wiesen. Morgens liegt Tau auf dem Gras, irgendwo bimmeln Kuhglocken, und von den Terrassen und Balkonen der Alpin Chalets Oberjoch reicht der Blick weit in die Allgäuer Bergwelt. Die lädt geradezu zum Entdecken ein, und das ohne Umwege. Denn wer wandern oder biken möchte, hat zum einen ziemlich viele Möglichkeiten und kann zum anderen direkt von der Chalettür aus starten.
Für alle, die an heißen Tagen lieber ins Wasser als auf den Berg wollen, liegen das Naturbad Hindelang, die Prinze Gumpe in Hinterstein und Bergseen wie der Haldensee im nahen Tannheimer Tal in Reichweite. Aber wieso nur für eine Sache entscheiden? Das kühle Nass lässt sich ja auch bestens in den Wander- oder Radtag einbauen. Badesachen gehören jedenfalls immer ins Gepäck!
Um sich abzukühlen, muss man aber eigentlich gar nicht weg. Denn zwischen den zwölf Chalets, die mal für zwei, mal für vier Personen ausgelegt sind, liegt ein Naturpool, der ausschließlich den Gästen vorbehalten ist. Der vier mal elf Meter große Schwimmteich fügt sich angenehm unaufgeregt ins Dorf-Ambiente ein, das Wasser wird biologisch aufbereitet und kommt ohne Chlor aus. Perfekt, um schnell mal reinzuhüpfen und ein paar Bahnen zu schwimmen. Anschließend geht es auf die eigene Terrasse oder den Balkon, zum Lesen, Dösen, Berge Anschauen. Viel mehr Programm braucht es für mich eigentlich auch nicht an einem heißen Nachmittag.
Wenn der mal nicht ganz so heiß ausfällt oder der angehende Abend für kühlere Luft sorgt, lockt jedes Chalet mit einem kleinen Wellnessbereich samt Sauna und Warmwasserzuber im Außenbereich. Herrlich: in der Dämmerung im warmen Wasser zu sitzen, in die Berge zu schauen und mit seinem Partner oder seiner Partnerin die Frage zu diskutieren, ob man das Procedere am nächsten Tag wiederholen oder ins Panoramahotel Oberjoch nebenan wechseln soll. Das gehört wie etliche weitere Hotels, Restaurants und ein Campingplatz ebenfalls zu den „Lerch Genusswelten“. Praktisch: So kommen Chaletgäste ohne Aufpreis in den Genuss des 3.000 Quadratmeter großen „Alpin-SPA“ mitsamt seinen Pools, fünf Saunen und ebenso vielen Ruhezonen. Was es ebenfalls gibt: ein großes Massage- und Kosmetikangebot. Mir jedenfalls fällt es leicht, den Leitsatz der Familie – „Mensch, freu Dich!“ – umzusetzen!
Überhaupt ist vieles angenehm unkompliziert. Das Frühstück kommt auf Wunsch ins Chalet (und das gaaanz leise), wer möchte, kocht selbst. Oder lässt sich etwas aus dem Restaurant Zwölfhundert NN bringen. Der Name ist eine kleine Verbeugung vor der Höhenlage Oberjochs. Und wenn der Tag am Naturpool etwas länger geworden ist, muss man für das Abendessen nicht einmal mehr das Haus verlassen. Dort gehört indessen auch der Kamin zur Grundausstattung. Im Hochsommer ist er natürlich eher Dekoration als Notwendigkeit, aber er erzählt viel über die Idee hinter den 2017 eröffneten Chalets: Sie sind kein ausschließliches Sommerquartier, sondern ein Rückzugsort für alle Jahreszeiten.
Was mir an den Alpin Chalets besonders gefällt, ist daher weniger ein einzelnes Angebot als die Freiheit, sich den Tag selbst zusammenzustellen. Früh loswandern, bevor die Sonne Kraft bekommt? Aber ja. Mit dem Bike über alle Berge? Auf geht’s! Zum Baden an den Haldensee? Danach in die private Sauna samt Zuber? Na, unbedingt. Oder aber: gar nichts tun. Auch schön!